Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Kreisverband Rheinhessen e.V. hat beim Nahverkehrsforum am 29.9.2011 zur Fortschreibung des Nahverkehrsplans der Stadt Mainz u.a. auch Vorschläge zum Ausbau und zur Optimierung des Mainzer Straßenbahnnetzes gemacht. Der Titel lautet: Leichter umsteigen und weitere Vorschläge für den neuen Nahverkehrsplan Mainz.
Hier ein Auszug:
Umsteigeknoten im Mainz-Schott und Straßenbahnverlängerung Zollhafen
Die Haltepunkte Mainz-Nord und Mainz-Waggonfabrik, die früher angelegt wurden, um die Arbeiter zu den Industrie- und Gewerbebetrieben zu bringen, dienen diesem Zweck schon lange nur noch in geringem Umfang und sind somit nur noch beschränkt zukunftsfähig. Größere Investitionen für eine zeitgerechte Modernisierung lohnen sich daher im Prinzip nicht mehr.
Im Umkreis des Haltepunktes Mainz-Waggonfabrik existieren die ehemaligen „Panzerwerke“ schon längst nicht mehr. Auch die einst namensgebenden Eisenbahn- bzw. Busproduzenten [Magirus Deutz] sind seit Jahrzehnten verschwunden.
Beim Haltepunkt Mainz-Nord sind ebenfalls nur noch wenige Arbeitgeber (z.B. Schott AG, Werner & Mertz GmbH) in fußläufig akzeptabler Entfernung angesiedelt. Zur Anbindung des geplanten Wohngebietes Zollhafen taugt die heutige Lage wenig. Hierfür wäre eine Verlängerung der durch den Kaiser-Karl-Ring bis zum Betriebshof verlaufenden Straßenbahngleise um wenige hundert Meter erheblich besser geeignet. Mit der Tram könnten die Bewohner dann auch direkt zum Hauptbahnhof, in die Innenstadt oder zur Universität fahren.
Hingegen ließe sich relativ kostengünstig ein, aufgrund seiner nahen Lage zum benachbarten Unternehmen meist als Haltepunkt „Mainz-Schott“ bezeichneter neuer Umsteigeknoten im Mainzer Nordwesten schaffen. Durch diesen Umsteigepunkt ließen sich auf einen Schlag so viele neue und schnellere Umsteigebeziehungen schaffen.
Die Stadt Mainz sollte daher den Bau einer Bahnstation „Mainz-Schott“ am bzw. in unmittelbarer Nähe der Eisenbahnbrücke (Streckengleis Wiesbaden – Mainz) mit Bahnsteigen an den Bahnstrecken Mainz – Alzey, Mainz – Wiesbaden bzw. Mainz – Ingelheim – Bingen/Bad Kreuznach sowie mit Verbindungswegen untereinander und zur Straßenbahn- / Bushaltestelle Mainz-Schott vorantreiben, um die o.g. Umsteigeverbindungen zu ermöglichen. Die neue Bahnstation „Mainz-Schott“ würde nach Fertigstellung die abseits gelegenen, teils stark modernisierungsbedürftigen und nur schwach genutzten Haltepunkte Mainz-Nord und Mainz-Waggonfabrik ersetzen.
Das Wohngebiet Zollhafen wäre mit einer nur rund 400 m betragenden Verlängerung der Straßenbahngleise vom Kaiser-Karl-Ring direkt an den Hauptbahnhof, die Innenstadt und die Universität angebunden!
Finanzierung
Die neu zu erbauende Eisenbahnbrücke (Streckengleis Wiesbaden – Mainz) wird komplett aus Bundesmitteln finanziert. Für die Errichtung der notwendigen Bahnsteige entlang der neuen Eisenbahnbrücke kann die Stadt Mainz mit Zuschüssen von bis zu 85% durch das Land Rheinland-Pfalz rechnen. Zudem sollte die Stadt Mainz mit dem Landkreis Mainz-Bingen Verhandlungen über eine Mitfinanzierung dieser Baumaßnahme aufnehmen, da in erster Linie dessen Einwohner von den verbesserten Umsteigebeziehungen des neuen Bahnhofs profitieren werden. Zudem könnte die Firma Schott zwecks Mitfinanzierung angesprochen werden.
Weiterhin sollten Finanzmittel, die (früher oder später) für die Modernisierung bzw. Verlegung der Haltepunkte Mainz-Nord bzw. Mainz-Waggonfabrik aufgewendet werden müssten, in das Projekt Umsteigeknoten Mainz-Schott fließen und damit gegengerechnet werden.
Die Stadt Mainz sollte darüber hinaus die Stadtwerke Mainz/MVG um Prüfung bitten, in wie weit folgende Maßnahmen im Rahmen bestehender bzw. künftiger Projekte („Zollhafenentwicklung“, „Bahnhofsprojekt Mainz-Schott“ – ggf. auch „Mainzelbahn“) und/oder laufender Erneuerungsmaßnahmen mitfinanziert werden können, so dass nur der jeweilige Eigenanteil zu tragen wäre.
> Verlängerung der Straßenbahnstrecke vom Betriebshof zum neuen Wohngebiet Zollhafen
> Verlegung der Straßenbahn-/Bushaltestelle Mainz-Schott nach Fertigstellung der Bahnstation „Mainz-Schott“ zur Optimierung der Bahnanbindung
Umsteigeknoten Bahnhof Mainz-Marienborn mit Anbindung ‚Mainzelbahn‘
Der geplante Ausbau des Mainzer Straßenbahnnetzes vom Hauptbahnhof über Universität/FH, Bretzenheim, Gutenberg-Center, Marienborn, VRM/AZ/ZDF bis zum Bürgerhaus Lerchenberg, als Projekt „Mainzelbahn“ bezeichnet, bietet die einmalige Chance, die Schienenstrecke Mainz – Alzey mit dieser Tramstrecke zu verknüpfen und gleichzeitig das Umsteigen zu erleichtern.
Damit könnten von allen Haltbahnhöfen zwischen Alzey und Klein-Winternheim gleichermaßen schnelle wie attraktive Verbindungen zum Lerchenberg sowie in Richtung Gutenberg-Center, Bretzenheim-West, Fachhochschule und Universität realisiert werden.
Grundvoraussetzung hierfür ist der Bau einer Umsteigestation in unmittelbarer Nähe zu den Bahnsteigen des Bahnhofs Marienborn. Außerdem müssten dort gegenüber dem heutigen Angebot (Fahrplanperiode 2010/11) nicht nur alle Regionalbahnen, sondern auch die zwischen Alzey und Mainz verkehrenden Regionalexpress-Züge halten, um so je Richtung etwa alle 30 Minuten eine Umsteigeverbindung anzubieten.
Derzeit können aufgrund von betriebstechnischen Einschränkungen bzw. weil nur ein Bahnsteig vorhanden ist, die stündlich verkehrenden Regionalbahnen jeweils nur richtungsweise in Mainz-Marienborn halten, vormittags Richtung Mainz und nachmittags Richtung Alzey. Insgesamt legen somit heute nur ca. ein Viertel aller verkehrenden Züge dort einen Halt ein.
Um dem abzuhelfen, müssten auch ohne Neubau einer Umsteigestation erhebliche, aber vertretbare Investitionen getätigt werden (komplette Sanierung bzw. Modernisierung des Hausbahnsteigs und Verlegung von Signalstandorten in Verbindung mit geänderten Gleisbelegungen).
Die Stadt Mainz sollte daher beschließen, dass beim Bau der Straßenbahn-Haltestelle im Bereich des Bahnhof Marienborn kurze Umsteigewege von und zu den Bahnsteigen bestehen. Bei dieser Gelegenheit wäre es sinnvoll, zeitgleich auch das städtebauliche Umfeld zu verbessern.
Zudem sollte sie beim Zweckverband SPNV Rheinland-Pfalz Süd beantragen, dass mit Datum der Inbetriebnahme der Tram-Haltestelle sämtliche Züge der Relation Alzey – Mainz bzw. Gegenrichtung im Bahnhof Mainz-Marienborn halten, um etwa alle 30 Minuten eine Umsteigeverbindung zur Straßenbahn anbieten zu können. Sofern hierfür ein neuer Bahnsteig bzw. andere Ausbauten an der Strecke notwendig sein sollten, setzt sie sich beim Land Rheinland-Pfalz und bei den benachbarten Landkreisen Mainz-Bingen und Alzey-Worms dafür ein, dass diese Ausbauten vorrangig vom Land Rheinland-Pfalz unterstützt bzw. finanziert werden.
Straßenbahn-/Schienennetz-Entwicklungsplanung
NVP soll derzeitige Planung des Straßenbahnausbaus Mainz-Hauptbahnhof – Universität – FH – Bretzenheim – Marienborn (Bahnhof) – ZDF – Lerchenberg mit aufnehmen.
Desweiteren sollte für die weiter Entwicklung in Frage kommende Achsen aufgezeigt werden:
- Verlängerung von Mainz-Bismarckplatz/Straßenbahnamt bis Zollhafen
Zudem sollten die im FNP 2000 vorgesehenen Achsen näher untersucht werden: Hauptbahnhof (Vorplatz/West) – Münsterplatz – Große Bleiche – Innenstadt/Neustadt und Schleife Fichteplatz – Uniklinik – Pariser Tor und Verlängerung von Hechtsheim – Messegelände – Ebersheim.
Zudem sollten mögliche Weiterführungen Richtung Mainz-Kastel/Wiesbaden geprüft werden. Zielsetzung hierbei ein Entwicklungskonzept aufzustellen und die Trassensicherung im FNP und B-Plänen sicherzustellen.
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